Stefan Lang knackt die 3 Std.-marke beim Berlinmarathon

Zehn Tage vor dem großen Event trainierten Kai und ich noch einmal zusammen in heimischen Gefilden. 22 km standen am Ende zu Buche und das gute Gefühl, dass wir beide der Herausforderung Berlin Marathon gewachsen zu sein schienen. Das Foto-Posing am Berliner Meilenstein …

Stefan Lang im Stadion

… in Darmstadt ein paar Tage später war dann sehr lustig und ebenfalls eine gute Einstimmung. Wir inszenierten uns zwar als Duellanten, aber spätestens nach Kais Geständnis während der Fahrt, dass er dieses Jahr erst gut 300 km gelaufen sei, war mir klar, dass es kein Duell auf Augenhöhe sein würde. Ich hatte zwar auch nicht wirklich spezifisch auf den Marathon trainiert, wusste aber spätestens seit Zell am See, dass ich in einer guten Form bin. Allerdings sprachen die PB-Zeiten auf dem Papier ja eindeutig für Kai: Er hatte eine 2.49 h aus Hamburg im letzten Jahr stehen, ich lediglich eine eine 3:28 h aus Amsterdam.

Wir fuhren am Freitag los und holten gleich unsere Startnummern auf der Messe am alten Tempelhofer Flughafen ab. Am Samstag lief ich den Frühstücklauf mit, den der Veranstalter zur Einstimmung und als ausdrücklichen „Nicht-Wettkampf“ organisiert hatte. Es ging gemütlich vom Charlottenburger Schloss zum Olympiastadion… und zwar nicht nur davor, sondern man durfte darin auch eine Ehrenrunde drehen. Ein tolles Erlebnis. Einen Fehler habe ich dann am Vor-Wettkampftag doch noch gemacht. Das, was mir vor der Sprint-DHM in Tübingen noch sehr gut getan hat, sollte sich bei einem Marathon eher als Nachteil heraus stellen: Eine vorabendliche Massage.

Berlin 3

Der Wettkampftag: Wir fuhren mit der S- und U-Bahn zum Hauptbahnhof und liefen dann zu Angela Merkels Amtssitz hinüüber… dort war der Eingang zu den verschiedenen Start-Bereichen. Es gab die Startblöcke A-H. Kai war in Block B aufgrund seiner Top-Zeit aus Hamburg. Ich hatte bei der letzjährigen Anmeldung noch nicht wirklich etwas vorzuweisen und war demnach in den letzten Starblock H eingeteilt. Das hätte bedeutet, dass ich mich während des Rennens durch gut 30.000 Läuferinnen und Läufer hätte durchwühlen müssen, um meine angestrebte Zielzeit von unter drei Stunden erreichen zu können. Zum Glück konnte ich am Vorabend die Leute von der Orga noch überzeugen mich in den C-Block zu lassen. Ich glaube zwar, dass sie nicht wirklich etwas mit einem Ergebnis einer 70.3-WM anfangen konnten, aber der Zweck hat die Mittel geheiligt und ich war in dem Block ja letztendlich auch goldrichtig.Berlin2

Der Startschuss fiel, die Sonne schien und 40.000 Menschen setzten sich in Bewegung. Wahnsinn. Nach 2 Minuten überquerte ich die Startlinie und es ging erst einmal in einem 4.20er Tempo los. Von Kai habe ich nichts gesehen, jeder lief sein Rennen. Die ersten 5-10 Kilometer liefen wir fast identisch. Während ich dann relativ konstant weiter lief, musste Kai leider immer mehr raus nehmen. Beim Halbmarathon hatte ich dann schon gut 3 Minuten Vorsprung. Auf der zweiten Hälfte machten sich bei Kai dann aber die wenigen Trainingskilometer bemerkbar und er musste Gehpausen einlegen. Ich hingegen jagte Ballons hinterher: Bei Halbzeit hatte ich schon den 3-Stunden-Pace-Ballon eingeholt und sah dann vor mir schon wieder Ballons. Erst dachte ich: Stefan, jetzt nicht überziehen und auf 2.50 h gehen…  aber ich lief immer näher an die Ballons ran. Irgendwie war ich dann beruhigt, als dann auch wieder 3-Stunden drauf stand. Warum es davon allerdings offenbar mehrere gab, bleibt mir ein Rätsel. Egal… ich bin dran vorbei und weiter nach vorne. Mein Support hatte mich ja auch gerade wieder angefeuert! Schön brav alle 8 Kilometer ein Gel gelutscht und mit Wasser nachgespült und so den Fehler von Amsterdam vermieden… energetisch ging es mir auch super. Aaaaber: Seit Kilometer 17 tat mir mein schön durchmassiertes Fahrwerk weh! Den Ärger über die Massage verdrängte ich mit der Sorge, ob nicht irgendwann Krämpfe kommen… immerhin war es ja noch weit zum Brandenburger Tor. Zum Glück kamen keine Krämpfe, aber die Schmerzen wurden immer stärker. Auf den letzten 5-10 Kilometer verlor ich ca. zwei Minuten und lief den zweiten HM dann in 1.29 h. Aber ich wusste, dass es zur Sub-3 Zeit reichen würde! So war die Durchquerung des Brandenburger Tores sehr emotional, zumal ich ja noch eine Rechnung von vor 25 Jahren offen hatte. Im Ziel überkamen mich auch fast die Tränen und dann der Gedanke daran, wie es Kai wohl gerade ergeht. Nachdem ich meine Medaille bekommen und ausreichend getrunken hatte traf ich dann meine 3 Engel, die mich dank Joannas Rechentalent auch insgesamt 5 (!) Mal an der Strecke gesehen und angefeuert hatten. Zum Glück rief Kai dann auch bald an und wir trafen uns wieder. Am Ende standen neben tollen Eindrücken bei mir eine Zeit von 2.56 h und bei Kai eine eher ernüchternde 3.36 h. Aber egal, das Bier schmeckte so oder so. Vielen Dank an Alle, die mitgefiebert, getrackt und gratuliert haben. Ein besonderer Dank an meine 3 Engel Laura, Sarah und Joanna!

Ach ja: Gelaufen bin ich übrigens auch im ASC-Shirt, hatte aber mein altes Trikot von damals noch obendrüber gezogen…. heute und damals vereint 😉