70.3 WM Zell am See – Kaprun: Zwei ascler berichten

Wenn man sich einen Triathlon in seinen Träumen zusammenstellen dürfte, würde er bei mir etwa so aussehen: Ein klarer Gebirgssee zum Schwimmen, eine abwechslungsreiche Radstrecke vor Bergpanorama mit mindestens einem harten Anstieg und zum Abschluss eine weitgehend flache, pittoreske Laufstrecke mit einigen…

Stefan & Matthias, Zell am See

Stefan & Matthias

… Zuschauer-Hotspots. Am letzten Wochenende musste ich nicht träumen, sondern einfach in Zell am See starten! Neben der tollen Rennstrecke gab es auch noch Kaiserwetter (30° hätten völlig gereicht, aber es waren dann doch etwas mehr) und diesen internationalen Flair, denn Matthias und ich hatten uns für die Weltmeistschaft im Halb-Ironman, der sogenannten 70.3-Distanz qualifiziert, wo es eben gilt, insgesamt 70,3 Meilen zu bewätigen. Die zehnte Auflage dieser WM fand zum ersten Mal nicht auf nordamerikanischem Boden statt und den Veranstaltern in Zell am See war Ihr Stolz in Wort und Mimik anzumerken, dass Ihr noch relativ junger Wettkampf (4. Jahr) die Ehre hatte, als Austragungsort erwählt worden zu sein.
„Let the happiness in“ war das Motto dieser WM und ich hatte in der Tat schon beim Einschwimmen unglaubliche Glücksgefühle. Einfach nur weil ich bei diesem Event dabei sein durfte.
Die Creme de la Creme des Triathlonsports war in die idyllische Alpenstadt gekommen… Kurzdistanz meets Langdistanz… Gomez gegen Kienle und Frodo. Und so sollte am Ende des Tages auch das Profi-Podium aussehen. Und sei vorweg geschickt, dass  für mich einer der coolsten Momente des Wettkampfes war, als mir ein sichtlich erschöfpfter Javier Gomez (seines Zeichens amtierender 70.3-Weltmeister, 4-facher Kurzdistanz-Weltmeister, aktuell Führender im ITU-Worldcup und eine Olympiamedaille hat er auch) auf seinem letzten Kilometer vorm Ziel entgegen rennt. Ich war da gerade bei ca. KM 3, war aber auch 35 Minuten später gestartet. Jedenfalls ein Wahnsinns-Erlebnis mit den „großen Jungs“ in einem Rennen zu sein und sie sogar noch zu Gesicht zu bekommen.

Stefan Lang

Stefan Lang

Doch nun mal chronologisch:
Matthias und ich trafen uns am Freitag und fuhren die berüchtigte Abfahrt vom Filzensattel mit den Wettkampflaufrädern runter. Ich wollte in erster Linie mein Material testen und Matthias die Strecke kennen lernen. Bei ebenfalls tollem Wetter hingen wir noch ein paar Kilometer dran, denn es war ein schönes Gefällestück wo man ca. 5 Kilometer lang mit über 50 Sachen langdüsen konnte. Am Samstag wurde noch mal kurz angeschwommen im See. Neo war nicht nötig… das Wasser war auch so warm genug. Danach noch ein Läufchen mit kurzem Race-Pace-Schnuppern. Am Renntag konnte man ausnahmsweise mal ausschlafen: Die Profis starteten um 10.45, ich war um 11.20 und Matthias um 11.25 dran. Mit meiner Schwimmleistung war ich sehr zufrieden. Zum ersten Mal unter 30 Minuten und angeblich war die Strecke auch etwas länger, also knapp 2 km. Auch Matthias war mit seiner Schwimmleistung zufrieden. Auf dem Rad lief es ebenfalls gut. Am Ende standen bei mir ein 37km/h-Schnitt und 268 Watt-Schnitt auf dem Radcomputer. Über den Berg sind wir beide gut rüber gekommen und es wurde zum Glück bei der Abfahrt nicht so eng wie befürchtet, weil ich kurz vor dem Filzensattel noch einen größeren Pulk überholen konnte. Die letzten zwei Kilometer hatten 14% Steigung. Hart aber schön.
Der Wechsel zum Laufen war etwas zäh, aber ich kam dann ganz gut ins Rollen…allerdings war die Hitze schon ziemlich brutal. Darum kühlte ich mich so gut es ging: An Wasserfontänen aus Gartenschläuchen, mit Wasserbechern, mit Schwämmen und mit crushed Eis. So war der Halbmarathon halbwegs erträglich. Ich konnte zwar nicht unter 1.30h laufen war aber trotzdem zufrieden, denn ich hatte auf den letzten Kilometern noch Power und bin nicht eingebrochen. Im Ziel habe ich dann auf Matthias gewartet und machte mir zunehmend Sorgen, da er nicht kam und ich ihn auch auf der Laufstrecke nicht gesehen hatte. Nach einer halben Stunde bin ich dann Duschen gegangen und war total happy, als ich Matthias direkt danach beim Essen getroffen habe. Er war auch happy, mit seiner Leistung zufrieden und hat die Atmosphäre genauso genossen wie ich. Und er hat mit Jan Frodeno geduscht. Auch eine nette Anekdote.

Matthias
AK-Platz: 69
Overall: 859
Swim:    27:53
Bike    2:40:24
Run    1:54:57
Gesamt
5:12:27

Stefan
AK-Platz: 25
Overall: 212
Swim:    29:47
Bike    2:26:10
Run    1:33:09
Gesamt
4:38:11