Natalia Vera: „Ich möchte lernen und meinen Athleten zuhören“

Seit Mitte Mai betreut Natalia Vera die Aktiven des 3defacto Team asc Darmstadt. Dabei hat die gebürtige Chilenin genaue Vorstellungen vom Training.

Das wohl wichtigste Werkzeug bei ihrer Arbeit ist die Stoppuhr. „Zeiten sind objektiv. So kann ich Verbesserungen am besten feststellen“, sagt Natalia. Ob neben dem Schwimmbecken, auf der Laufbahn oder beim Koppeltraining, immer wieder dokumentiert die gebürtige Chilenin die Zeiten ihrer Schützlinge. Neben der Überprüfung, erhält die Trainerin auch ein Gefühl für die Leistungsfähigkeit der Aktiven. „Für mich ist es wichtig, meinen Athleten zuzuhören. Ich möchte sie verstehen und lernen, wie wir zusammen das Training voranbringen“, erklärt Natalia. Dabei nutzt die 32-Jährige, die Erfahrungen, welche sie in den vergangenen Jahren im Triathlon unter verschiedensten Bedingungen gesammelt hat. „Ich habe in Chile Sport studiert und zeitgleich mit meiner Arbeit als Trainerin begonnen“, blickt Natalia zurück. In ihrem Heimatland betreute sie Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Triathlonverein. „Ich habe angefangen mit den Kindern. Da haben wir viel im Bereich des Wechselns gearbeitet. Das Laufen mit dem Rad, das Aufspringen beim Wechseln und die Kombination der Sportarten standen im Mittelpunkt. In der Gruppe waren 80 Jugendliche. Das war eine große Herausforderung“, sagt die Trainerin mit einem Lächeln. In den folgenden Jahren übernahm sie immer mehr Verantwortung und organisierte schlussendlich auch Wettkämpfe und Trainingslager. „Ich habe wirklich alles gemacht. Dabei habe ich viel gelernt. Der Verein liegt mir immer noch am Herzen und mir ist es wichtig, dass ich Kontakt halte“, erklärt Natalia.

2016 wagte die Chilenin zusammen mit ihrem Mann den Sprung über den großen Teich und begann ein Praktikum beim Triathlonverein Potsdam. Nach zwei Monaten in der brandenburgischen Landeshauptstadt begann sie ihre Arbeit als Landesstützpunkttrainerin am Olympiastützpunkt Brandenburg. „Die Arbeit in Potsdam war sehr interessant. Ich hatte dort eine kleine Gruppe mit einem sehr hohen Niveau. Das waren professionelle Triathleten. Sie haben nur trainiert, gegessen und geschlafen“, beschreibt die Südamerikanerin. Dabei lernte Natalia auch das deutsche Sportsystem kennen und erkannte deutliche Unterschiede zu ihrem Heimatland. „In Chile gibt es keine Strukturen. Alles ist privat und dadurch sehr teuer. Selbst ein Athlet, der an den Olympischen Spielen teilnimmt, muss versuchen, sein Lebensunterhalt zu verdienen. Hier in Deutschland ist alles professioneller“, vergleicht sie.

Die Verbindung von Sport und Beruf, so wie es in Chile alltäglich ist, spielt auch beim 3defacto Team asc Darmstadt eine wichtige Rolle. Das hat die Trainerin schnell verstanden und sie ist begeistert, wie die Aktiven ihres neuen Vereins dies schaffen. „Hier in Darmstadt sind die Athleten in einer ähnlichen Situation wie in Chile. Sie haben Familie, Beruf und den Sport. Ich finde es beeindruckend, wie professionell sie dennoch ihren Sport ausüben. Im Training sind sie immer voll konzentriert“, freut sich Natalia. Im Training versucht sie so viel wie möglich, an ihre Athleten weiter zu geben. Vor allem die Kombination aus Physis und Psyche ist für sie wichtig. „Ein guter Triathlet zeichnet sich durch seinen Körper und seinen Kopf aus. Außerdem muss er einen guten Trainingsfleiß an den Tag legen“, sagt Natalia. Dabei versucht sie, die Einheiten gezielt zu differenzieren: „Am Ende möchte ich, dass sich alle Aktiven verbessern. Der Weg dorthin muss manchmal angepasst werden. Ich versuche zu verstehen, wann ein Athlet eine Pause oder ein intensiveres Training braucht. Das ist mein Ziel.“

Deshalb hört sie zu und schaut bei jedem Training ganz genau auf ihre Uhr. Mit diesem Werkzeug fertigt sie täglich eine Bestandsaufnahme ihrer Athleten an. Natalia nutzt diese Erkenntnisse in der Mitte der Saison, um ihre Sportler kennen zu lernen. Am Ende des Sommers möchte sie ein Bild haben, mit dem sie in den kommenden Zyklus geht. Denn für diesen hat sie ein eindeutiges Ziel: „In der kommenden Saison möchte ich alle Athleten verbessern.“